Donnerstag, 14. Juli 2016

Ein Denkmal für afrikanische Drogendealer

von Thomas Heck...

Die nächste Fraktionssitzung der Piraten im Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg könnte so manchen Abgeordneten Nerven kosten. Die Mitglieder der Fraktion müssen allen Ernstes über einen Bürgerantrag diskutieren, der sich für die "Errichtung eines Denkmals für den afrikanischen Park-Drogendealer" stark macht. Die Piraten werden in diesen Fall Opfer ihrer Bürgernähe. Über die Online-Plattform "Openantrag" können Bürger der Partei ihr Anliegen mitteilen, über das die Abgeordnete dann diskutieren müssen.


Die Begründung des anonymen Antragstellers ist in diesem Fall jedoch reichlich wirr geraten. So heißt es etwa: "Die Arbeit des Drogendealers ist wie jede andere, nur gefährlicher. Drogendealer leisten einen gesellschaftlich wertvollen und von vielen Menschen geschätzten Dienst ...". Durch die „mutige Besetzung öffentlicher Räume“ umgingen die Drogendealer das ihnen verweigerte Arbeitsrecht und erschlössen sich somit „eine gewisse Freiheit außerhalb des normativen Systems“. Gleichzeitig ermöglichten ihre Dienstleistungen – die Versorgung mit illegalen Drogen – den Bürgern, „ihre Bewußtseinsfreiheit als Bürgerrecht wahrzunehmen“.

Gleichzeitig stellt der Antragsteller Drogendealer als Opfer des Kolonialismus und Kapitalismus dar. "„Seit Jahrzehnten sind viele Dealer aus afrikanischen Ländern in Deutschland tätig. Sie sind zumeist aus ökonomischen Gründen oder wegen der prekären Menschenrechtssituation in ihren Herkunftsländern nach Europa geflüchtet. Sie kommen aus Ländern, die auf eine lange europäische Kolonialgeschichte zurückblicken und in denen der Kolonialismus und der damit verstrickte Kapitalismus nach wie vor zu gravierenden Konflikten und Ungleichheiten beitragen.“, heißt es in dem Antrag. Und weiter: "Die Errichtung eines Denkmals ... wäre eine sinnvolle und bedeutsame Anerkennung dieses risikoreichen Berufs und seines Beitrags zum andauernden Kampf gegen die Folgen des Kolonialismus." Einen Standort für das Denkmal hat der Antragsteller auch schon vorgeschlagen: den Görlitzer Park oder die Hasenheide.

Ob es der Antrag bis in die Bezirksverordnetenversammlung schafft, ist wohl eher fraglich. Ein alter Dauerbrenner der Piraten wird dort nun allerdings behandelt. Am 20. Juli werden die Verordneten über Zeitreisen diskutieren. Die Piraten fordern das Bezirksamt auf, ein Fachamt zur Erforschung von Zeitreisen einzurichten. Ziel sei es, Zeitreisen innerhalb der nächsten zehn Jahre nutzbar zu machen. Interessantes Thema, ob allerdings eine BVV dafür geeignet ist und ein Bezirk die dafür notwendigen finanziellen Mittel aufbringen könnte, darf bezweifelt werden. 

Charmant dagegen ist die Vorstellung, diese Spinner der Piraten in eine Raumzeit-Verzerrung zu katapultieren, wo sie die nächsten Jahrhunderte in einer Zeitschleife verbringen könnten, um sich wieder den wichtigen Dingen dieser Stadt zu widmen. 





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